Erwin Webers Weihnachtsbrief 1999
 

Katherina von Bora
Luthers Frau

Katherinas Ehrenpforten
Lutherhof, Lutherhalle 1999

Kastensitz nach 1535
 Lutherstube, Lutherhalle

Im Jahre 1999 wurde das 500-jährige Jubiläum der Geburt Katharina von Bora, Martin Luthers Ehefrau, gefeiert. Von 1525 bis zum Tode ihres Mannes 1546, lebte sie mit Ihrem Mann im Schwarzen Kloster, die jetzige Lutherhalle in Wittenberg. Nach Dr. Stefan Rhein, Direktor der Luther Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt, war die Katharina Luther's Begleiterin und gleichberechtiger Partnerin, sie was das Bildnis einer selbstsicheren, selbstbewussten, emanzipierten Frau an der Seite ihres Mannes. Dennoch weiss man nicht viel von dieser wichtigsten Frau der Reformation im 16. Jahrhundert, denn sie lebte im Schatten ihres mächtigen Mannes. Vieles aus ihrem Leben wurde Sagen und idealiziert. Daher gab es eine umfassende Gedenkausstellung in der Lutherhalle in Wittenberg mit dem Titel "Lieber Herr Käthe, Katharina von Bora, die Lutherin." vom 25. März bis zum 14. November mit Leihgaben aus deutschen und europäischen Museen.

Im Frühling dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, mir die Katharina von Bora Ausstellung in der Luthehalle anzusehen, und mit Genehmigung von Dr. Martin Treu, Autor des Buches Katharina von Bora und derjenige, der die Ausstellung konzipierte, einige Aufnahmen von Lieber Herr Käthe zu machen. So liebvoll und zärtlich nannte Luther sein Frau. In der Lutherhalle, das ehemalige Luther Wohnhaus, das auch zurecht das Bora-Haus heissen könnte, mehr als 300 quadratmeter wurde der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Es gab Bilder, Schriften, Zeichnungen, Gemälde und Sachzeugen, die das Leben dieser aussergewöhnlichen Frau dokumentierte. Dreissig Leihstücke von Museen aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark waren in der Austellung. Man ging in die Lutherhalle durch sogenannten Ehrenpforten geschmückt mit gemalten Blumen im Lutherhof mit der Innschrift, Du sollst keinen fremden Gott an beten.

Katharina war nicht einfach eine Frau des Pfarrers, die sich um die Küche, Kirche, und Kinder kümmerte. Ihr Haus konnte man mit einem Hotel vergleichen. Ab und zu etwa vierzig Leute wohnten in ihrem Haus. Um so viele Leute unterzubrigen und zu nähren, pflegte sie einen ungeheurigen grossen Garten, um Blumen, Kräuter und Gemüse zu wachsen. Sie braute Bier in ihrer eigenen Brauerei, und fütterte die Tiere, wie z.B. Schweine, Hühner, Ziegen, und Kühe. Dann erzog sie noch ihre sechs Kinder, und kümmerte sich um ihren Mann. Dann hatte sie noch Zeit, um Religionsgespräche mit ihrem Mann zu führen und an den berühmten Tischreden teilzunehmen. Das war eine grosse Leistung für eine junge Frau, die seit ihrem 5. bis 24. Lebensjahr im Kloster verbrachte, wo sie wahrscheinlich nicht viel mehr wusste als Singen und Beten. Dennoch lernte sie etwas von Landwirtschaft im Kloster. Paar Jahre später heiratete die weggelaufende Nonne Katharina den Mönch Martin Luther. Sie war 26 und er 42 Jahre alt. Es wurde eine glückliche Ehe. Das Ehepaar hatte sechs Kinder.

Mein Aufenthalt in Wittenberg kam während meiner Reise nach Deutschland und der Schweiz, um meine Diasvorträge über Zwingli, der Reformator aus der Schweiz, und Melanchthon, der bedeutende Reformator an der Seite Martin Luthers, zu verbessern. Da war die Zeit so knapp, dass ich viele meiner Freunde und Verwandten in Deutschland und der Schweiz nicht besuchen konnte. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder im Jahre 2000. Der Zwingli Vortrag ist jetzt fertig. Die erste Aufführung wird am 20. Januar 2000 im grossen Hörsaal des neuen Computer Gebäudes von Augustana College in Rock Island stattfinden. Das Gebäude war vor einem Jahr ein herrliches Geschenk der Franklin W. Olin Stiftung. Nur eine College im ganzen Land darf solch ein Gebäude von der Olin Stiftung bekommen. Das ist für das Augustana College, wo ich 25 Jahre lang unterrichtet habe, eine grosse Ehre gwesen. Am 23. Januar zeige ich den Zwingli Vortrag in meiner lutherischen Kirche in Rock Island.

Und nun wünsche ich Euch fröhliche Weihnachten und alles Gute und Gesunde für die Jahrtausendwende. Hoffentlich sehen wir uns wieder im Jahre 2000. Eigentlich wusste ich nicht, dass ich das Jahr 2000 sehen würde. Vor Jahren hoffte ich darauf. Nun sieht es aus, dass ich es bald sehen werde.

Erwin Weber

Dezember 1999

Bilder:
Katharine von Bora, Cranach der Ältere (Werkstatt), Öl auf Holz, 1528; Photo mit Genehmigung der Lutherhalle, Wittenberg
Katharine von Bora Ehrenpforten, Lutherhof, Lutherhalle, Wittenberg; Photo von Erwin Weber
Kastensitz, nach 1535, Lutherstube, Lutherhalle, Wittenberg; Photo mit Genehmigung der Lutherhalle, Wittenberg