Erwin Webers Weihnachtsbrief 2000
 

"Zum Grauen Wolf"
Wittenberg

"Hier stehe ich"
Dom zu Worms 

Conrad Bergendoff
Gemälde von Cloy Kent

Der Dom
Uppsala, Schweden

Während ich diesen Brief schreibe, kommt nun wieder ein Sturm aus Kanada und bringt uns Schnee und eine Kälte von 20 Grad unter 0 Celsius.  Wo bleibt denn diese Erwärmung der Erdatmosphäre?  Wir sehnen uns danach.  Denn dieser Sturm ist der zweite innerhalb zwei Tage.  So war es für Gwen und mich das ganze Jahr.  Es gab immer ein Sturm einer nach dem anderen.  Es fing schon im Januar an mit dem Tod der Mutter von Gwen.  Wir verstehen, dass das Leben ohne Tod undenkbar ist.  Immerhin ist es doch ein Schock wenn eine von den Eltern stirbt.

Im Laufe des Jahres, stehe ich gewöhnlich früh auf und arbeite an meinene PowerPoint Diasvorträge (das sind Diasvorträge mit Computer) über Ulrich Zwingli, der Reformator aus der Schweiz; Philip Melanchthon, Luthers Mitarbeiter und bester Freund; und Lucas Cranach, Maler der Reformation.  Wenn das Wetter erlaubt, spiele ich Golf am Nachmittag, nicht gut und nicht schlecht.  Man muss etwas für seine Gesundheit tun.   Ich schleppe die Schläger über Berg und Tal und freue mich wenn der weisse ball 175 meter durch die schöne Landschaft fliegt.  Ach, das Leben kann auch schön sein.  "Wie herrlich leuchtet mir die Natur, wie scheint die Sonne, wie lacht die Flur," sagte Goethe.

Gewöhnlich fahren wir im Frühling nach Europa, um Material für meine Diasvorträge und Artikel für The Lutheran Journal zu sammeln.  In diesem Jahr gingen wir Ende September und Anfang Oktober nach Deutschland.  Denn am 2. Oktober wurde das 200-jährige Jubiläum der Gaststätte "Zum grauen Wolf" in der Lutherstadt-Wittenberg gefeiert.  Die Familie Dorbrietz, Besitzer des Inns, hat uns herzlich eingeladen.  Ich kenne die Leute schon seit 1962 und sehe sie seitdem fast jedes Jahr in der Lutherstadt.  Sie waren mir gegenüber immer sehr nett und freundlich gewesen.  Und as Essen mit dem Wernersgrüner Bier ist ja ein Gedicht.  Die Feier am 2. Oktober dauerte drei Tage. Es wurde herrlich gegessen und getrunken.  Es kamen Freunde und Bekannten aus Wittenberg und der ganzen Welt.  Die Stadt Wittenberg war gut vertreten mit dem Oberbürgermeister Naumann, und andere hohe Beamten.  Das sollte man mal mitgemacht haben. 

Um meine Diasvorträge zu verbessern, fuhren wir zuerst nach Worms, wo Luther vor dem Kaiser stand und sagte er werde nicht widerufen.  Wir gingen auch nach Bretten, wo ich Dr. Günter Frank, den Direktor des Melanchthonhauses, besuchte.  Er half mir immer viel mit meiner Arbeit und ist sehr nett und freundlich.  Dann fuhren wir nach Kronach, die Geburtsstadt von Lucas Cranach.  Ich wollte die Geburtsurkune von Lucas Cranach besichtigen, habe sie leider nicht gefunden.  In Antwerpen, Belgien, photographierte ich den Dom und den Marktplatz, wo Cranach eine Zeichnung von Karl dem V. machte, als der Kaiser noch young .   Da Cranach diese Zeichnung machte, hatte sie ihm das Leben gerettet, als 1547 die Heere des Kaisers die Protestanten bei Mühlberg schlugen.

Als wir noch in Wittenberg waren, machten wir einen Ausflug nach Dresden und ich besuchte Dr. Ingetraut Ludolphy, Wissenschaftler, Universitäts Professor, Autor, und berühmter  Lutherforscher.  Sie hat eine Biographie von Friedrich dem Weisen geschrieben.  Es wurde in Deutschland von Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlicht.  Ludolphy bekam den Ehrendokter vom Augustana College in Rock Island, Illinois.  Da sie damals nicht aus der DDR durfte, überreichte ich ihn ihr in der Nikolaikirche in Leipzig.  Sie hat mir mit meinem Bildband From Luther to 1580 viel geholfen und zwar hat sie den Text dafür geschrieben.  Leider ist jetzt das Buch vergriffen.  Zur Zeit ist sie im Diakonistenhaus Schwanenhaus.  Sie hat  einen schönen Blick auf die Elbe. Von dort nimmt sie am Wiederaufbau von Dresden teil.  

Als wir in Bad Godesberg waren, wo ich als Kind im Godesheim zur Schule ging, wurde Gwen sehr krank.  Ich brachte sie zum Krankenhaus in der Nähe vom Godesheim, wo August Hufnagel in den fünfziger Jahren Lehrer war und wo er jetzt wohnt.  Es wurde fest gestellt, sie habe Bronchitis.  Später entwickelte es sich in Lungenentzündung.  Obwohl Gwen  krank war,  besuchten wir die Hufnagels und verbrachten einen schönen Nachmittag.  Als ich Helmut Breitfeld in Wuppertal besuchte, mit dem ich als Kind im Godesheim war, konnte Gwen nicht mitfahren.  Sie war zu krank.  Helmut und ich verbrachten schöne Stunden und sahen uns die Bilder von Bad Godesberg und dem Godesheim an.

Nachdem wir von Deutschland wieder zu Hause waren, zeigte ich Diasvorträge an unserem College und verschiedenen Kirchen.  Da sagte mein Kollege, ich solle einen PowerPoint Diasvortrag über Conrad Bergendoff machen.  Bergendoff, ein berühmter Historiker, Theologe, und ehemaliger Präsident von Augustana College und dem Theologisches Seminar, wurde er vom König zum Hauptmann, erster Klasse, in den königlichen Orden des Nordsterns aufgenommen.  Von der Kirche bekam er das Ehrenabzeichen von Schweden.  So werde ich zuerst in den Fusstapfen von Carl August, der Vater von Conrad Bergendoff wandern.  Er is in Schweden geboren und als 21-jähriger kam er nach America, studierte am Augustana College und theologischem Seminar, wurde Pastor und arbeitete 47 Jahre für die Augustana Synode.  Als Carl August fünf Jahre lang in Schickley, Nebraska, war, kam Conrad am 3. Dezember, 1895 zur Welt.  Er arbeitete 76 Jahren für die Augustana Synode bis zu seinem Tode am 23. Dezember 1997.

So endete das Jahr 2000 nicht im Sturm, sondern im schönen Wetter.  Denn ich bin glücklich, dass ich den Diasvortrag über Conrad John Immanuel Bergendoff machen darf.  Ich werde mich freuen, wieder in der Bibliothek von Uppsala und königlichen Biblothek in Stockholm zu forschen, denn Conrad Bergendoff hat mich am Augustana College in Rock Island angestellt und mich immer wieder unterstützt seit den letzten vier Jahrzehnten.  Ja, wir wurden gute Freunde.  Wenn ich jetzt an Weihnachten denke, werde ich den Tag vor dem Heiligen Abend nie vergessen, denn am 23. Dezember 1997 ist Dr. "B" wie man ihn so oft nannte gestorben.  Wie sein Vater der Augustana 47 Jahre lang diente, so diente Conrad Bergendoff der Augustana Synode 76 Jahre.

Nun wünsche ich Euch alle gesegnete Weihnachtstage und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr

Erwin Weber
Dezember 2000