Erwin Webers Weihnachtsbrief 2002
 

Dr. Martin E. Marty

Lutherhalle, Wittenberg

Jüdische Gedenkstätte

Dr. Fritiof Fryxell

Das Jahr 2002 bedeutet für mich der Höhepunkt meines beruflichen Lebens.  Mit der Unterstützung von Herrn Dr. David Renneke, Vorsitzender der Physik und Astronomie Abteilung am Augustana College, der mir Probleme mit meinem Computer löste, und paar junge Techniker, die mir zeigten, wie man Videos und DVDs herstellte, habe ich das Bergendoff  Projekt erfolgreich beendet.Die Uraufführung fand im Juni 2002 statt, und zwar am Bethany College in Lindsborg, Kansas, wo sich etwa 500 Mitglieder des Augustana Heritage Association sammelten.  Der Leiter der Konferenz, John Pearson, sagte: "Mein Dias-Vortrag über Bergendoff sei augezeichnet und viele, die Bergendoff kannten, trockneten  sich die Tränen am Ende der Aufführung.   

Im August  lud mich Dr. Martin E. Marty, The Fairfax M. Cone Distinguished Service Professor an der Universität Chicago, Verfasser von mehr als 50 Bücher und hatte 67 Ehrendoktor  und andere Freunde zu seinem Haus in Chicago ein, um den Bergendoff Vortrag zu besichting.  Dr. Marty war der Erste, der vor zwei Jahren das Bergendoff Projekt unterstützte.  Er schrieb mir damals einen wunderbaren Empfehlungsbrief, der mir viel geholfen hat.  Nach dem Vortrag schrieb er, er sei von meinem Talent, und von meiner Fähigkeit, Hingabe und Verpflichtung  sehr erstaunt und begeistert.

Um meinen grossen Erfolg zu feiern, haben die Gwen und ich entschieden, nach Deutschland zu reisen.  Wir flogen nach Frankfurt und dann mit dem Auto nach Wittenberg und besuchten alte Freunde wie z.B. die Besitzer des Grauen Wolfs, die Familie Dorbrietz, und Frau Dr. Hennen, Dr. Rhein und Dr. Treu von der Lutherhalle.  Ich machte paar Aufnahmen von der Renovierung der Lutherhalle. Das Gebäude bekommt jetzt einen neuen Eingang und einen Aufzug so dass die Besucher nicht so viele Treppen steigen müssen und die Behinderten auch alles besichtigen können.   Während der Renovierung entdeckten die Arbeiter eine Wendeltreppe die Luther benutzte, um zum Zimmer zu gehen, wo er las man braucht nur an Christus zu glauben, um in den Himmel zu kommen.  

Danach fuhren wir nach Dresden und besuchten, Frau Dr. Ingetraut Ludolphy.  Sie half mir mein erstes Buch zu schreiben und bekam einen Ehrendoktor vom Augustana College in Rock Island, Illinois.  Sie wurde während der Überflutung der Elbe mit dem Hubschrauber evakuiert.  Man brachte Sie auf einer Schule, wo die Studenten ihr halfen.  Nach der Überschwemmung der Elbe brachte man sie wieder zum Altenheim in Dresden zurück.  Dann bekam sie einen freundlichen Brief von Dr. Martin Marty, der weltberühmte Theologe und Kirchenhistoriker.  

Am folgenden Tage besuchte ich die Dorfkirche in Kemberg.  Dort stand ein Altargmälde mit fünf Flügeln gemalt von Cranach dem Yüngeren in 1565.  Wenn die Flügel zu sind, sieht man Bilder aus dem Alten Testament;  wenn die auf sind gibt is Scenen aus dem Neuen Testament.  Im Jahre 1994 standen abends brennende Kerzen  auf dem Altar während einer Gebetstunde.   Am nächsten Morgen lag das Gemälde auf dem Boden.  Zwei-Drittel davon war verbrannt.  Das innere der Kirche war schwarz von dem Rauch.   Jetzt steht ein einfaches modernes Kreuz auf dem Altar.  Herr Pohle, der im ehemaligen House von Dr. Bartholomäus Bernhardi, Professor der Theologie an der Universität wohnte, zeigte mir das Innere der Kirche.  Bernhardi war der erste protestantische Geistliche der  im Jahre 1521 eine Bürgerstochter heiratete.   Luther heiratete Katharina von Bora vier Jahre später.

Dann fuhren wir Richtung Eisleben, die Stadt Luthers Geburt und Todes,  um die Beckmanns  zu besuchen.  Die sind Verwandten von Gwen.  Herr Beckmann war Bäcker in der ehemaligen DDR und ist jetzt im Ruhestand.  Trotzdem backt er immer noch Kuchen und Torten.  Er wohnt am Rande des Dorfes Heygendorf, hat einen schönen Garten und ein altes, gemütliches Haus aus Backsteine gebaut.  Er ist ganz zufrieden mit seinem Auto, Garage, Fernsehen, Fernsprecher, Gästezimmer, und Nachbarn, für die er  oft an Feier- und Geburtstagen Kuchen backt.  Wir kamen am Nachmittag in Heygendorf an tranken Kaffee und assen leckeren ObstKuchen.

Ehe ich meine Verwandte im Rheinland besuchte, darunter auch das Soldatengrab meines Bruders Alex in Isselstein, Holland, besuchte ich meinen Freund, Klaus Beyer, Lichtbildner aus Weimar.  Er besitzt über 50,000 Negative und hat mehr als 50 Bildbänder veröffentlicht.  Ich habe ihn und seine Familie beinahe 40 Jahren gekannt.  Er hat mir viele Aufnahmen zur Verfügung gestellt, die ich selber nicht machen konnte.  Ich bin ihm ewig dankbar.  Er ist jetzt im Ruhestand und hat das Geschäft seinem Sohn Constantin übergeben.  Die Familie Beyer hat ein grosses Haus und Grundstück mit vielen Bäumen, Gebüsche und Blumen.  Kunstwerke aus der ganzen Welt sind überall zu sehen, haupsächlich Ikonen aus Russland.  Ein Gemälde der Frau Beyer hängt an der Wand im ersten Stockwerk.  Pasternak hat es gemalt, denn Frau Beyer ist die Tochter des Dichters Rainer Maria Rilke.  Dort assen wir Abendbrot und diskutierten den wahrscheinlich kommenden Irak-Krieg.  Herr Beyer hat den Zweiten Weltkrieg als Panzerführer mitgemacht und will keinen Krieg mehr sehen. 

Dann besuchte ich Lori Schumacher, eineVerwandte von mir und die Familie Hans-Juergen Joest in Dattenfeld/Übersetzig.  Sie sind gute Freunde von mir.  Ich kenne sie schon langet   Herr Joest zeigte mir das Wohnhaus einer jüdischen Famile, Max und Maria Seligmann, die nach der Kristallnachtnacht am 9. November,1938 nach Riga geschickt wurden and dann von den Nazis erschossen wurden.  Nach dem Krieg wollten Verwandten, die während der Nacht zum Staate Illinois flüchteten, nicht mehr in das Wohnhaus in Rosbach zurückkehren.  Daher schenkten Sie der Stadt Rosbach das Haus.  Es wurde renoviert und eine Gedenkstätte daraus gemacht.  Darin findet man Vitrinen mit allerlei Handschriften und Bilder der Familie Seligmann, ein gelber jüdischer Stern, den die Juden immer tragen mussten, und Modellen von Synagogen in der Gegend, die von den Nazis zerstört wurden.

Meine Verwandten in Leichlingen, wo ich im April 1921 zur Welt kam, die Stadt an der Wupper habe ich wieder mal besucht.  Meine Kusine Hildegard Quiatkowski und ihr Mann Paul feierten ihren 50. Hochzeitstag.  Leider musste ich schon am Tag voher Leichlingen verlassen.  Aber Paul und Hildgard haben mich und Gwen herzlich zum Abendessen eingeladen.  Sie kochten mir mein Lieblingsgericht:  Sauerkraut mit Kartoffelbrei und Nürnberger Bratwürstchen.  Es war ein schöner Abend, denn andere Verwandten wurden auch eingeladen.  Leider konnte Detlef und Elke, Hildegards Tochter nicht mitmachen.  Detlef wurde beinahe beinahe getötet.  Als er mit seinem Fahrrad fuhr, ist er von einem PKV zusammengeprallt und er wurde 36 meter über das Auto in die Luft geschleudert.  Er  schwebte lange zwischen Leben und Tod im Krankenhaus.  Aber die Doris Eichel, Hildegard's Tochter und ihr Sohn, Christopher, waren dabei, auch Hildegards Schwester, Edeltraut, mit Ihrem Mann Willi Völker.   Es war ein schöner Abend.

Ehe wir nach Amerika zurückflogen, besuchten wir die Famlie August Hufnagel.  Herr Hufnagel war Lehrer am Godesheim, ein Waisenheim in den fünfziger Jahren.  Er ist ein guter Freund von Helmut Breitfeld mit dem ich von 1929 bis 1935 im Heim war.  Herr Hufnagel wohnt am Rand des Godesheimer Waldes.  Er hat einen herrlichen Blick von seinem Wohnzimmer in die Natur.  Dann besuchten wir wieder mal das alte Kinderheim.  Als wir dort waren, kam die Presse aus Bonn und schrieb einen Bericht über mich.  Ich lege Euch eine Kopie dabei.  

Das wäre es.  Nun wünsche ich Euch alle gesegnete Weihnachtstage und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder in der alten Heimat.

Erwin Weber
December 2002